Sächsische Zeitung
21. Juli 2011,
Via Regia Sculptura, salz
Technischer Ausschussbeerdigt Skulpturenprojekt
Von Sebastian Beutler

Der Streit um die Aufstellung der Skulptur „Salzkristalle“ zieht immer größere Kreise. Jetzt hat sich mit Thomas Früh auch ein Ministerialdirigent aus dem sächsischen Wissenschaftsministerium in die Debatte eingeschaltet. Er bat Oberbürgermeister Joachim Paulick um eine Begründung, warum die Skulptur „Salzkristalle“ nicht im Uferpark an der Neiße aufgestellt werden könne, wollte zugleich aber die Entscheidung des Stadtrates nicht in Frage stellen.
Kritiker fühlen sich bestärkt Das Schreiben hat dem Projekt eher geschadet und Kritiker bestärkt. Zur-Sache-Fraktionsvorsitzender Peter Gleißner
spricht von „Druck aus Dresden“, Renate Schwarze (SPD) von „Schelte aus Dresden“, für die ihr „jedes Verständnis“ fehlt, und Oberbürgermeister Joachim Paulick sieht darin einen „ungewohnten Vorgang, den wir noch nie hatten“. Tatsächlich hat sich Früh in die Diskussion eingeschaltet, nachdem er vom Via-Regia-Landesverband über die Lage informiert worden war. Jedenfalls schildert es so Gottfried Semmling. Der bündnisgrüne Stadtrat ist Mitglied in diesem Landesverband. Seit Monaten setzt er sich unermüdlich dafür ein, dass die Siegerskulptur eines Kunstwettbewerbes von Landesverband und dem Verein Sächsischer KünstlerhaÅNuser in Görlitz aufgestellt wird. Der Wettbewerb stand unter dem Motto der Via Regia und gilt als der Beitrag der sächsischen bildenden Künstler zur Landesausstellung. Deshalb sollten die Siegerbeiträge auch in Görlitz aufgestellt werden – als bleibendes Zeichen für die Ausstellung in diesem Jahr.
Zwar hatte Semmling im Stadtrat eine Mehrheit dafür gefunden, den Wettbewerb im Planungsbeschluss für den Uferpark zu verankern. Im Baubeschluss aber wollte die Mehrheit im Rat die Salzskulpturen nicht mehr an der Neiße sehen. Und das, obwohl die verwaltungsinterne Arbeitsgemeinschaft „Kunst im öffentlichen Raum“ diesem Standort zugestimmt hatte.
Denn für das Anliegen des Kunstwerkes, so schildert es auch Friedemann Dreßler von der Stadtverwaltung, war der Uferpark denkbar gut geeignet. Das mehrteilige Kunstwerk des Meißner Künstlers Matthias Lehmann hätte auf beiden Seiten der Neiße aufgestellt werden können, die Finanzierung war gesichert und es gab Absprachen zwischen der Stadt und den Organisatoren des Wettbewerbs. Doch das zählte im Stadtrat alles nicht. Und der Technische Ausschuss war am Mittwoch nun auch nicht bereit, die Diskussion neu zu eröffnen – und sei es für einen neuen Standort, zum Beispiel im Stadtpark. „Wir haben uns eindeutig zu diesem Projekt artikuliert“, findet Renate Schwarze. „Und ob und wo wir öffentliche Kunst in der Stadt ansiedeln, ist immer noch Aufgabe des Stadtrates.“ Sie erhielt dafür auch Unterstützung von Andreas Zimmermann aus der CDU-Fraktion.
Reichenbach im Gespräch Zumal der Stadtpark wirklich nur der zweitbeste Standort wäre: Die unmittelbare Nähe zu Polen fehlt, der Park und damit das Kunstwerk ist dort schlechter zu kontrollieren als an der Neiße, und die Finanzierung müsste noch geklärt werden, doch stehen europäische Fördermittel dafür in Aussicht. Nach einer ersten Prüfung durch Bürgermeister Michael Wieler hätte die Skulptur frühestens Anfang Oktober aufgestellt werden können – für viele im Technischen Ausschuss zu spät, weil dann ja die Landesausstellung in den letzten Zügen liegt. Dass das Kunstwerk aber darüber hinaus in Görlitz gezeigt werden sollte, spielte für sie keine Rolle. Görlitz dürfte damit aus dem Rennen sein. Denn Gottfried Semmling will nun das versuchen, was er bereits zuvor angekündigt hatte: Die Skulpturen sollen auf dem Reichenbacher Marktplatz ihren Platz finden. Durch das AckerbürgerstaÅNdtchen verlief die Via Regia, auf der Salz transportiert wurde, und sehr nah ist das Via-Regia-Begegnungszentrum. Reichenbach wird damit immer mehr zu der Via-Regia-Stadt, vor allem wenn die Landesausstellung längst zu Ende ist.