Lausitzer Rundschau, 14.03. 2016
Salz, "Görlitzer Art"
Salzkristalle läuten die "Görlitzer Art" ein
UWE MENSCHNER
Verbeugung vor der Kunst: Matthias Lehmann muss sich für die Verankerung seiner Salzkristalle tief hinabbeugen. Die Installation bildet den Auftakt für die "Görlitzer Art", den Beitrag der Neißestadt zum Kulturhauptstadtjahr in Breslau. | Foto: Redaktion

Mit fünfjähriger Verspätung haben die so genannten "Salzkristalle" ihren Platz im Uferpark an der Neiße in Görlitz bezogen. Das Projekt des Meißener Künstlers Matthias Lehmann bildet den Auftakt für "Görlitzer Art", den Beitrag der Neißestadt für das Kulturhauptstadtjahr in der nahe gelegenen polnischen Metropole Wroclaw (Breslau).

Lange hat Matthias Lehmann darauf warten müssen. Denn: Ursprünglich sollten die "Salzkristalle", mit denen er einen Wettbewerb im Kontext der 3. Landesausstellung "Via Regia" gewonnen hatte, bereits 2011 an der Neiße aufgestellt werden.
Jedoch fand die Skulpturengruppe nicht die gewünschte Gegenliebe bei den Görlitzern, und der Stadtrat sprach sich zunächst gegen die Installation aus. 2013 revidierte das Gremium dann seinen Beschluss und machte im zweiten Anlauf den Weg frei für die Verwirklichung des Projektes.


Doch dann dauerte es nochmal zweieinhalb Jahre, bis es tatsächlich zur Verwirklichung kam. Im November 2015 konnte Matthias Lehmann das Fundament herstellen, und am vergangenen Donnerstag und Freitag verankerte er die drei Skulpturen. "Mit den Salzkristallen nehme ich Bezug auf die alte Handelsstraße Via Regia, auf der Salz eines der wichtigsten Handelsgüter war",  erklärt er.

Der offizielle Auftakt für "Görlitzer Art" wird am 1. April, 14.00 Uhr, am Wilhelmsplatz vollzogen. Neben den Salzkristallen sollen im Laufe des Jahres noch weitere Kunstobjekte im öffentlichen Raum präsentiert werden, wie die Stadtverwaltung erklärt:  "Görlitzer Art ist eines der internationalen Projekte im Programm der Kulturhauptstadt.
Eine Ausstellung mit Kunst im öffentlichen Raum gab es in Görlitz in dieser Form noch nie. Beteiligt sind Künstler aus dem Raum Wroc?aw, die 2014/15 erfolgreich an einem Wettbewerb teilgenommen haben, sowie Studenten der Kunstakademie Wroc?aw."  Die Standorte konzentrieren sich auf die Gründerzeitquartiere der Innenstadt und reichen bis an die Südstadt heran. Die an Attraktionen ohnehin reiche Altstadt hingegen blieb mit Ausnahme eines Standortes bewusst ausgespart.

Zu den Kunstobjekten zählen unter anderem eine farbig beleuchtete "Herde" aus perforierten Metallplatten auf der Elisabethstraße und dem Marienplatz, eine die deutsch-polnische Gemeinschaft symbolisierende Neon-Lichtinstallation in Form des "&"-Zeichens auf dem Wilhelmsplatz sowie ein begehbarer Turm an der Hotherstraße.

"Witzig aber auch kontrovers, lassen die Objekte den Betrachter interaktiv in einen spannenden Dialog mit der Kunst, der Stadt und den Menschen treten. Die Szenerie aller Jahreszeiten schafft dazu immer wieder einen neuen Hintergrund. So ändert sich für den Besucher das Gesamtbild und lohnt sogar, die moderne Kunst vor historischer Kulisse mehrmals zu genießen", wirbt die Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH, die unter anderem die Görlitzer Tourist-Information betreibt. Eine Broschüre soll den Besuchern Informationen vermitteln und diese auf Spaziergängen zu den Kunstobjekten hinführen.