Wolkentapete
Installation, 22 m2 Farbdruck eines wiederkehrenden Bildausschnittes, Sofa, Wiener Barock, Dresden, Februar 2008
In der Ausstellung wird man mit einer Raum-Installation konfrontiert, in der Gegensätze aufeinanderprallen. Hier das alte, satte Sofa aus dem 19. Jahrhundert, gegenüber eine Tapete an der Wand, Wolken darauf, entworfen und produziert im 21. Jahrhundert. Wahrscheinlich stellt sich für einige zunächst die Frage, was hier der Loop sei. Recht schnell erkennt man jedoch beim genaueren Hinschauen auf die Tapete, dass hier das Motiv des Himmels wiederkehrt. Nur wie? Wolken und Flugzeugspuren, vor blauem Hintergrund. Die Wolkenformationen sehen merkwürdig aus, wirken gemalt, nicht real. Und es braucht wieder einen Moment Zeit, um zu realisieren, dass es einen Ausschnitt „Himmel“ gibt, der immer wiederkehrt und offensichtlich in alle beliebigen Richtungen erweitert werden kann. Wenn dem so ist, was passiert dann mit dem Schnipsel „Himmel“, jenem Teil vom Ganzen, der sich präsentiert? Ein Duplikat eines Originals ist theoretisch imstande, das Original zu ersetzen. Natürlich, wenn es sich um eine Malerei eines renommierten Künstlers handelt, wird es das Duplikat wenigstens gegenüber Kennern schwer haben. Aber im Falle der Tapete handelt es sich um das Duplizieren eines Ausschnitts aus einem Ganzen. Die endlose Wiederkehr des immergleichen Motivs, welche sich hier auf eine Fläche von 22 m2 ausbreitet, führt dazu, dass das Motiv an Unbedingtheit, an Relevanz gewinnt. Denn die Frage ist: bleibt es an jeder beliebigen Stelle der Tapete ein- und dasselbe Motiv oder verändert sich dessen Bedingtheit durch eine veränderte Wahrnehmung des Betrachters?
Welche Wirkung wird projiziert? Entspannung oder Zwang? Momentaufnahme oder Manie? Das Motiv verschwindet nicht hinter seiner Wiederholung, im Gegenteil, es wird absolut. Unbedingt. Es reagiert auf unsere selektive Wahrnehmung: wir können nur einen Teil des Ganzen wahrnehmen. Hier wird dieser Teil zwingend. Und wenn ein Ausschnitt Himmel zwingend wird, wird der Himmel, den er reproduziert, relativ. Angehalten. Ähnlich einem Standbild im Film. Zeit verschwindet. Die Tatsache, dass die Flugzeugspuren irgendwann kondensiert sind, verschwindet. Ebenso die Tatsache, dass nach diesem „Blau“ auch wieder ein Dunkel der Nacht kommt. Was bleibt, ist ein Relikt. Eine Erinnerung. Und ebenso verhält es sich mit dem Sofa aus dem 19. Jahrhundert. Eine leibhaftige Erinnerung an eine „andere“ Zeit, nur: können wir Erinnerungen trauen?